Diesseits des Jenseits des Diesseits: „LEIPZIG//NIRWANA“ – Interview von Gautama Buddha mit Kurt Mondaugen auf dem Flughafenrollfeld Schkeuditz Nord

Mondaugen_Buddha_foto_Interview

(Szenerie: Beide, Buddha und Mondaugen haben Schallschutzkopfhörer auf bzw. in den Ohren, alle drei Minuten donnern Flugzeuge drüber, schwerer Kerosingeruch in der Luft, alles erscheint etwas unwirklich – am Horizont vor ihnen: das Weichbild von Leipzig!)

GAUTAMA BUDDHA:    Herr Mondaugen, Ihr Buch „LEIPZIG//NIRWANA – Das Gegenwerk der Welt“ – liest sich wie ein existentieller seelischer Selbstversuch – changierend zwischen so was wie Weltgeistbeschwörung, Poetry-Buddhismus und Liebesroman. – Was ist Ihre Motivation für das Alles?

KURT MONDAUGEN:    Herr Gautama, Sie wissen ja sicher selber, man hat als Mensch so Abgründe in sich drin, die würde man auf Dauer gern ein bisschen besser verwaltet kriegen – Ängste, Zwangshandlungen, Neurosen – das Übliche! – Zumindest gibt es ein Bedürfnis danach, wenn das Leben einen mit der Zeit schon mal durch die eine oder andere Steilkurve gejagt hat, ein Bedürfnis danach, dass irgendwann ein bisschen mehr Entspanntheit rein kommt in die ganze Sache namens LEBEN! – Ich meine so ganz tief unten drin – im Bauch oder im EGO – dass man da so ein bisschen mehr Abstand gewinnt zu sich selbst – und aus dem ICH-Tunnel mal so einen ganz kurzen Moment raus surfen kann – und manche nennen das dann eben „NIRWANA“ oder “Erleuchtung“! – Und „LEIPZIG//NIRWANA“ ist das Dokument meines eigenen Surf-Versuches in dieser Sache und ein Trainingsplan und eine Art Meditationsanleitung zugleich. – Andere pfeifen sich Psychopharmaka rein, ich als Bewusstseinsphilosoph bleibe mehr bei so Sachen, die den Geist direkt massieren.

G.B.:      Uns Buddhisten wird ja immer REALITÄTSFLUCHT vorgeworfen…

K.M.:    – „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar!“ sage ich da immer. – Wer den Durchbruch zur Erleuchtung wenigstens mal EINEN Moment lang erlebt hat, der weiß sowieso: Beim Buddhismus geht es im Kern um das Diesseits des Jenseits des Diesseits – und nicht um den Aufstieg im Hamsterrad der Wiedergeburten. So verstehe ICH das wenigstens. Obwohl es das ICH, also auch mein ICH natürlich nicht gibt streng genommen. Aber Nirwana ist jedenfalls der Durchbruch – und zwar ein Durchbruch nicht aus der Welt heraus, sondern in die Welt hinein. Das ist das, was ich „Bewusstseinssurfen“ nenne, und wozu Sie, Gautama so Begriffe gefunden habe wie „Gewahren der Fülle“ – oder war es Meister Dogen? – Egal! – Jedenfalls geht es natürlich darum, die Zeit stillzustellen für die Ewigkeit, wie Proust das immer versucht hat oder Bergson damals auf seiner Duree-Couch oder James Joyce natürlich mit viel Guinness in den Kneipen von Dublin oder Beckett auf der Bühne… aber was rede ich:::: Am Ende muss das natürlich jeder auf seine eigene Weise regeln mit diesem Surf-Buddhismus…

G.B.:      Apropos: „…jeder auf seine eigene Weise“Warum heißt es bei Ihnen ausgerechnet „LEIPZIG“-Nirwana? – Ist das Nirwana nicht ÜBERALL?

K.M:      Nun ja, ich glaube, das ist so ein Erfahrungsding, Gautama. Sie können das erst verstehen, wenn Sie das mal durchgelebt haben in dieser Stadt und vor allem in deren wundersamen Outbacks – Kleinzschocher z.B. oder Volkmarsdorf – wenn Sie da mal selber ein paar Monate lang gelebt haben, dann wissen Sie, was ich meine… Das erscheint natürlich äußerlich krass anders als Tibet, ist eben Leipziger Tieflandsbucht, könnte man meinen, aber andererseits ist Leipzig doch gleichzeitig irgendwie auch eine Art seelischer Himalaya, zumindest was die Abgründe und Schluchten angeht, in die man stürzen kann – jeder längere Leipzig-Trip braucht spirituelles Höhentraining.

G.B.:      Das mit dem Himalaya-Vergleich will ich jetzt mal unkommentiert lassen – aber trotzdem: Beim Lesen von „LEIPZIG//NIRWANA“ habe ich manchmal das Gefühl, als würden Sie echt zu viel hineinprojizieren in diese Stadt …

K.M.:     Nun ja, manchmal habe ich das Gefühl, auch Sie würden zu viel hineinprojizieren in den Buddhismus… J – Nein, im Ernst – wir sind doch alle nur Projektionen am Ende. Das anzuerkennen und diese Einsicht im eigenen Leben selber bis in den Exzess zu treiben, und auch das dann wieder loszulassen, das ist es gerade, was man in Leipzig besonders gut lernen kann. Und erst dann, wenn unsere Projektionen sich wirklich zu überstürzen beginnen, werden sie wahr, wie Adorno immer sagt – oder war es Walter Benjamin? – oder Schlingensief? – ich weiß nicht mehr so genau. – Nein im Ernst: man kann einfach niemals genug hineinprojizieren – weder in den Buddhismus noch in diese Stadt – genau das ist das Grundding, das man begreifen muss: „Achtsamkeit“ erzeugt man durch Grounding in der Welt und durch semantisches Hyperventilieren gleichzeitig – das ist so ein ZEN-Ding, wenn Sie verstehen, was ich meine. Jedenfalls: Ich schreibe keine Hipster-Bibeln. Alles was ich sage, liegt für jeden vollkommen offen! – Ich meine: du kannst echt an all diese Orte hingehen in Leipzig, wo die Geschichten meines Buches spielen. Und die Orte werden Dir bezeugen: Alles ist wirklich wahr!

G.B.:      So als Buddha interessiert mich natürlich immer: Welche spirituellen Inspirationsquellen hatten Sie für dieses Buch?

K.M.:     Meine tiefste Inspirationsquelle und Seelenverwandlungs-Lehrerin heißt Natascha-Lou Salomé natürlich – und sie gibt es nicht nur als Figur in meinem Buch, sondern auch in der Wirklichkeit, obwohl auch ‚die Wirklichkeit‘ natürlich nur eine Illusion ist – wie Sie selber immer sagen, Gautama, und wie auch Natascha-Lou immer sagt, aber es kommt immer auf den Tonfall an von diesem Satz: „Die Wirklichkeit ist nur eine Illusion!“ und in welchem Kontext er gesprochen wird, wie Wittgenstein immer sagt, ob man die Leute für verrückt erklären muss nach dieser Äußerung oder eine tiefe lebenspraktische Entspannungstechnik darin für sich findet, um den nächsten Tag oder die nächste Liebe doch noch zu überstehen oder diesen Winter in Lugansk zum Beispiel, wenn man da leben würde – jetzt nur mal so vorgestellt – aber das ist ein anderes Thema oder ein anderes Buch! – Um zu Natascha-Lou zurückzukehren: Ich habe in diesem LEIPZIG//NIRWANA-Buch im Prinzip einfach nur mitgeschrieben, was Natascha-Lou Tag für Tag geäußert hat in unserem unfassbaren 13-tägigen Leben… Ich kann es selber nicht wirklich begreifen, aber sie sagte Dinge, die sie nicht selber dachte, sondern die von irgendwoher durch sie durchkamen, und die dann auch so tief durch mich durchgingen, dass mir der Atem stockte oder der Kopf explodierte oder ich weinen musste vor Freude und Trauer gleichzeitig. Ich erkläre es mir manchmal so, als hätte sie eine Art Infrarotschnittstelle mit dem NIRWANA-Universum sowieso – und ich habe über dieses Gefühl ein Gedicht geschrieben, das auch in dem Buch steht, DOPPELPUNKT:

Wie war das?  

Du kamst in meine Leben

wie ein überstürztes Heidegger Zitat:

das Geheure umstoßend (und was ich dafür hielt)

und das Ungeheure aufstoßend

und mein Bauch wurde ein Wunderplatz für

unsere gemeinsamen Gefühle

durch die du mich führtest

wie durch eine Weltausstellung

ohne daran zu denken

was aus unserer Liebe wurde –

ein Buch für das Regal

aufgeschrieben in 13 Nächten

und ich habe davon gelebt später

wie aus meinem Bauch

bis du abreistest

überstürzt

im Morgengrauen

das warst du nicht

hoffte ich später

immer noch

jahrelang: das warst du nicht!

 

G.B.:      Wie ich hörte, sind Sie sind in jüngster Zeit auch als Übersetzer tätig ?

K.M.:     Ja, es ist ein unentgeldliches Auftragswerk des DALAI LAMA: ich bin ich gerade dabei „Die vier edlen Wahrheiten“ in die Gegenwart zu übersetzen – wie wir ja eigentlich alles immer wieder neu in die Gegenwart und ins Hier und Jetzt übersetzen müssen. – Und Leipzig ist nun mal DAS MEDIUM dafür, um den Buddhismus wieder neu zu grounden in dieser durchgeknallten Welt und Frieden zu bringen für die beschädigten Seelen, die da draußen einen Krieg nach dem anderen anzetteln für die Geheimdienst-Idioten dieser Welt.

G.B.:     So, so! – Vorletzte Frage: Ihre Haltung zu Legida?

K.M.:     Achtung; ich verlinke:

https://schamanismusfestival.wordpress.com/2015/01/23/pegida-putin-paranoia-oder-man-muss-mit-denen-leben-oder-nach-einer-wahren-begebenheit/

G.B.:      Könnten Sie mir eine kurze Kostprobe geben, wie Sie sich die Übersetzung meines Hauptwerkes in die Gegenwart vorstellen?

K.M.:     Gern! Hier Bitte:

„Man soll sich nicht so wichtig nehmen.

Man soll, wenn es regnet, in den Wald gehen

sich zwischen die Bäume stellen

und sich einfach mal nicht so wichtig nehmen.“

Gautama Buddha („Die vier edlen Wahrheiten // reloaded“)

p.s.

Gautama Buddha empfiehlt darüber hinaus: täglich 15 min Brain-Enlightment-Meditation und/oder Facebook ausschalten und/oder:

„Leipzig//Nirwana“ am 5.3./ 20 Uhr in der naTo Leipzig:

 

 

 

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